Doppelkopf-Geschichte

Wie bei vielen Kartenspielen lässt sich auch beim Doppelkopf kaum genau sagen, wer es wann und wo genau erfunden hat. Kartenspiele sind ein uralter Zeitvertreib – die ersten Karten kamen dabei jedoch keineswegs aus Europa sondern aus Ostasien! In Europa hat sich das Kartenspiel dann ab dem 14. Jahrhundert ausgebreitet – zuerst in Italien, und dann auch in Frankreich, das namensgebend für das sog. ‚Französische Blatt‘ wurde, das auch beim Doppelkopf zum Einsatz kommt!

Ein junges Spiel mit alten Wurzeln?

So ganz genau weiß niemand, wann das erste Mal jemand auf die Idee kam, einfach die bekannten Karten doppelt zu verwenden und zu schauen, was passiert. ungefähre Schätzungen verweisen auf Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts.

Klar ist jedenfalls, dass Doppelkopf eindeutig Verwandte im Kartenspielbereich hat, schließlich kommt auch hier das beliebte Prinzip „bedienen, stechen, abwerfen“ zum Einsatz – ebenso wie bei Schafkopf, Ziege, Bridge oder Maumau.

Eine plausible Vermutung besteht darüber hinaus darin, dass Doppelkopf im universitären Kontext entstanden ist: Schließlich waren es nicht nur am Ende des 19. Jahrhunderts die Studenten, die den meisten Spaß am Kartenspiel hatten (und auch die Zeit dafür).

Fest steht auf alle Fälle, dass die Beliebtheit von Doppelkopf ungebrochen wächst! Ebenso sicher lässt sich sagen, dass vor allem in privaten Spielrunden jeder das Spiel im Detail auf eine etwas andere Weise kennt. Die zahlreichen Variationsmöglichkeiten, die das junge Spiel bietet, sind – neben der Herausforderung, den eigenen Partner zu finden und spontan im Spiel gemeinsam die beste Taktik zu entwickeln – seine größten Vorzüge!

Familienmitglieder? Doppelkopf und Schafkopf

Die engste Verwandtschaft innerhalb der Kartenspiel-Familie scheint Doppelkopf mit Schafkopf zu besitzen – darauf lässt sowohl das Blatt schließen, das letztlich aus einem doppelten Schafkopfblatt besteht, als auch der Name, der sich Mutmaßungen zufolge aus „Doppel-Schafkopf“ ableiten könnte.

So einleuchtend das auch klingt, dokumentiert wurde nichts davon – und die geographische Verbreitung mag nicht völlig zu der These passen: Schließlich ist Schafkopf überwiegend im Süden Deutschlands beliebt und gehört sogar zum bayerischen Kulturgut, während die größte Anhängerschaft von Doppelkopf in Norddeutschland wohnt.

Von einem „Urheber“ oder „Erfinder“ des Doppelkopf oder einem ursprünglichen Zeitpunkt kann man auch allein deshalb nicht ausgehen, da Doppelkopf kein wirklich zu fassendes Spiel ist: Die Regeln werden nach Lust und Laune variiert, verändern und entwickeln sich, sodass letztlich vermutlich ein Prozess über viele Jahre und Mitspieler dahintersteckt.

Beste Feinde? Doppelkopf und Skat

Doppelkopf und Skat sind genauso sehr Konkurrenten, wie sie einander behilflich sind – schließlich wechseln viele Kartenspieler im Laufe der Jahre oder auch einer Woche gern von einem zum anderen.

Hinsichtlich des Organisationsgrades hat das lang etablierte Skat aber deutlich die Nase vorn! Mit einer 200-jährigen Geschichte, geschätzten mehr als 20 Millionen Spielern und vor allem einer Regelfestlegung aus dem Jahr 1886 kann (und sicher auch: teils will) Doppelkopf nicht mithalten.

Beim Doppelkopf reagiert, trotz verstärkter Tendenzen der letzten Jahrzehnte, das Spiel stärker zu strukturieren und zu organisieren, immer noch die Ideenfreiheit.

Der Deutsche Doppelkopf-Verband (DDV)

Was Skat und Doppelkopf wiederum verbindet: Nur ein Bruchteil der begeisterten und teils auch sehr aktiven Spieler ist im jeweiligen Verband organisiert.

Mit Stand vom Juli 2016 waren es knapp 1500 Spieler, die Mitglied im Deutschen Doppelkopf-Verband sind und damit Doppelkopf mit offizieller Wertung in offiziellen Turnieren, Liegen und Meisterschaften spielen können. Wie viele Kartenfans „unorganisiert“ in ihrer Freizeit spielen, lässt sich nur mit großer Vorsicht schätzen, dürfte aber deutlich im Millionenbereich liegen.

Der 27. März 1982 in Braunschweig gegründete Doppelkopf-Verband DDV ist vor allem für sportlich spielende Doppelkopfler interessant. Er baut aber auch verstärkt andere Aktivitäten aus, über die man, ebenso wie über Ergebnisse und Ereignisse, in einer eigenen Verbandszeitschrift informiert wird.

Am meisten von sich reden machte der Verband, gerade auch für Doppelkopfspieler, die nicht darin organisiert sind, mit der Festlegung der Turnierspielregeln: Endlich gab und gibt es einen Standard, den man auch privat als Grundlage nehmen kann und auf den man sich bei sportlichen Events einstellen kann!

Auch beim Doppelkopf-Spielen online, wo man meist nicht die Zeit und oft nicht die Möglichkeiten hat, stundenlang verhandelte Regeln und Vereinbarungen umzusetzen, sind die bis auch in die letzte, kleine Frage hinein durchdachten und ausgearbeiteten Turnierspielregeln eine solide Grundlage.

Ähnlich wie Internationale Skatordnung des Deutschen Skatverbandes werden auch die Doppelkopf-Turnierspielregeln weiterhin bearbeitet und an die sich ändernden Gewohnheiten und Spielvarianten beim Doppelkopf angepasst.

Essener System

Hinsichtlich der Taktik beim Doppelkopf-Spielen hat sich, gerade im sportlichen Bereich wie bei Turnieren, in Ligen und bei Meisterschaften, über weite Strecken das sogenannte „Essener System“ durchgesetzt. Entwickelt wurde es von Claus Günther, Jörg Passenberg und Heinz Zedler. Durchgesetzt.

Das Essener System koppelt Ansagen am Spieltisch ebenso wie Verhaltensweisen (Zögern) genau an konkrete Karten oder eine bestimmte Qualität der Hand. So lässt zum Beispiel eine früher als nötig getroffene Ansage auf große Blattstärke rückschließen, aus einem Zögern vor dem Ausspielen wiederum kann man folgern, dass der Ausspieler zur Kontrapartei gehört und im Besitz einer „Dulle“ ist – der Partner soll, wenn im Besitz der zweiten Dulle, die Ansage abgeben.

Die klaren Informationen, die bei Verwendung des Essener Systems dem Partner zugänglich sind, haben sich offenbar als gewinnbringend erwiesen: Immerhin sind diese taktischen Vorschläge doch mittlerweile zu einem inoffiziellen Standard bei Doppelkopfturnieren des DDV geworden!

In privaten Runden hingegen ist das Essener System kaum anzufinden: Die Gegenargumente lauten, dass die Statik der Festlegungen kaum Kreativität im Spiel (geschweige denn Gedankenpausen) zulasse. Zudem werden Rückschlüsse aus dem Verhalten auf die Karten anderer Spieler von vielen als unethisches, möglichst zu vermeidendes Verhalten betrachtet.

Doppelkopf heute

Doppelkopf ist mittlerweile an dem Punkt angekommen, an dem es für fast alle Spieler interessant ist: Für die, die eigene Ideen umsetzen wollen, für die, die nur eine nette Kartenrunde genießen wollen und für die, die es sportlich nehmen, sich verbessern und vielleicht sogar Titel erringen wollen. Taktik und Psychologie, Konzentration und Kartenleidenschaft machen sich dabei immer bezahlt!

Gerade dank der Möglichkeiten des Internets kann man der eigenen Doppelkopf-Begeisterung jeden Raum geben, von Foren über Apps zum Üben bis hin zum Onlinespielen mit anderen ist niemand mehr darauf angewiesen, dass mindestens drei weitere Spieler rechtzeitig am vereinbarten Treffpunkt auftauchen – obwohl das Spielen am echten Tisch seinen Reiz sicher nie verliert. Von der verrauchten Kneipe bis zur ausgefeilten Software, Doppelkopf hat es jetzt schon weit gebracht!